Kreativlogger, Schummler oder Geocaching-Alltag

Ein Beitrag von Geoclimbing auf Facebook schlägt in der kleinen Geocaching Online– Welt momentan einige Wellen. In diesem Beitrag geht es um Kreativlogger; bzw. um das erschleichen von Geocaching-Statistik-Punkte.

Kreativlogger

 

 „[…] Eine neue süddeutsche T5 Paddelrunde sorgt in der Geocacher Szene für Aufregung. Offenbar wird eine neue Form der Log-Dreistigkeit erreicht. Von bekannten Kreativloggern […] wird demnach die gesamte Runde vom Schreibtisch aus per frei erfundenem Log-Märchen (inklusive Bilder) geloggt, ohne jemals vor Ort gewesen zu sein. Neu ist, dass es nicht einmal mehr einen Logbucheintrag gibt, was früher ein Teammitglied per Sammel-Aufkleber/-eintrag erledigte. Trotzdem werden die Online-Logs nicht gelöscht, da es wohl mit dem Owner […] Absprachen gibt […]“

Quelle: Facebook

Ich verstehe die Aufregung hierüber nicht. Natürlich habe ich mich vor einiger Zeit selbst sehr geärgert als ein T5-Trail wegen „sowas“ archiviert wurde. Aber die Geocaching.com-Seite ist nicht meine und wenn „die Spielleitung“ (Groundspeak) beschließt das sei OK – in dem „sie“ nichts dagegen unternimmt – dann ist das so und ich habe es zu akzeptieren. Deshalb ziehe ich mir keine gelbe Weste an und werde zum Wutbürger. Genauso wenig frage ich andere Geocacher die an mir „fremden“ Geocaches geloggt haben ob sie wirklich vor Ort waren. 

Was ist ein Kreativlogger?

Den Begriff Kreativlogger gibt es nicht und auf Wikipedia stehen sehr viele Definitionen zu kreativ und Kreativität. Am besten gefällt mir

„Bei Alltagskreativität unterliegt die Bewertung anderen Maßstäben als bei herausragender Kreativität. Vor allem bei Alltagskreativität geht es eher um den Nutzen für den Kreativen selbst, z. B. eigene Probleme zu lösen oder negative Erfahrungen zu verarbeiten“

Quelle:Wikipedia

Was zeichnet einen Kreativlogger aus?

Somit könnte man behaupten, ein Kreativlogger versucht mit möglichst wenig Aufwand einen hohen Nutzen für sich selbst zu erzielen und steigert die eigene Kreativität aus Lerneffekten negativer Erfahrungen. Beim Geocaching mittlerweile zwar nicht mehr wirklich kreativ, aber höchst wirksam um mit wenig Aufwand den Fund-Zähler zu erhöhen:

  • Tausch von Mystery-, Letterbox- und Multi-Koordinaten im eigenen Netzwerk, Facebook, etc.

  • Earthcache- und Virtual-Infos sind mittlerweile ganz einfach über die einschlägigen Facebook-Gruppen zu erhalten.

  • Labcache-Antworten stehen bereits wenige Minuten nach deren erscheinen in den einschlägigen sozialen Netzwerken.

  • Egal ob T5, D3,5 oder T1,5-Trail: Einer „geht“ zur Dose und schreibt die anderen Mitcacher ins Logbuch. Die „kreative“ Steigerung sind Aufkleber oder Stempel die auch von Geocaching-Reiseveranstaltern mit allen möglichen (Team)Namen gespickt ins Logbuch kommen – egal ob alle vor Ort oder bei Tante Erna zum Geburtstags-Kaffee waren. Wäre der Geburtstag nicht gewesen, wäre das Teammitglied ja mitgekommen.

  • Es wird vom Powertrail nur das 1.Logbuch signiert, das eine oder andere mit dem Auto erreichbare und dann noch das Bonus-Logbuch, dessen Final-Koordinate ein Mitcacher „zur Sicherheit“ bereits besorgt hat. Die restlichen Logbücher werden nur noch online von zu Hause aus geloggt. Frei nach dem Motto „Wer kontrolliert das schon“.

  • … to be continued

Wer ohne Fehl ist werfe den ersten Stein

Nur wer ehrlich zu sich selbst ist und von den 5 beschriebenen unkreativeren Möglichkeiten noch keine für den eigenen Online-Log nutzte darf den ersten Stein werfen und andere für ihre Kreativität verurteilen.

Sobald die ersten Geocacher den T5-Mystery oder T5-Multi geloggt haben ist dieser doch eigentlich nur noch ein T5-Tradi. Dank der guten Vernetzung funktioniert die Weitergabe von T5-Final-Koordinaten (Mystery, Letterbox und Multi) besser und schneller als Facebook & Co. es je könnten.

Ich gestehe, dass ich auch schon die eine und andere oben beschriebene kreative Technik angewendet habe und werde es auch weiterhin tun  :pfeiffen: Ist dies nun Betrug an der Geocaching-Community und muss ich mich als Kreativlogger brandmarken lassen? Oder ist es erst kreativ, Betrug oder gar Dummheit wenn man hunderte Online-Logs in kürzester Zeit vornimmt und es dadurch auffällt? 

 

Mein Fazit

Geocaching bildet mittlerweile die Gesellschaft ab – die ganze Gesellschaft mit allen Abgründen der menschlichen Psyche:

  • auf Groß-Events werden Kassen aus Verkaufständen gestohlen
  • schöne Geocaches werden gemuggelt gestohlen
  • die D5-Lockpicking-Munitionskiste wird aufgebrochen um ans Logbuch zu kommen
  • im Naturschutzgebiet wird querfeldein abgekürzt
  • auf das „Bitte nicht in der Dämmerung suchen“ – Attribut wird gepfiffen

Ich sehe es mittlerweile sehr einfach und vor allem unaufgeregt. Solange es Arme Würstchen Zeitgenossen gibt die kein Leben abseits eines OnlineSpiels haben werden sie alles daran setzen um sich selbst in einem möglichst perfekten Licht im Spiel darzustellen. Wenn das Lebensglück dieser Armen Würstchen Zeitgenossen vom Sieg bei Uno, einer Top-Platzierung auf einer von der Allgemeinheit nicht beachteten Rangliste oder einem hohen Punktestand bei Geocaching einem Spiel abhängt, tun sie mir leid und sollen es ruhig weiterhin machen um sich am Leben erfreuen zu können.

Dies zeigt gleichzeitig den Wert von Ranglisten, Platzierungen, Statistiken, etc. Aber mit dem Thema Statistik habe ich mich bereits 2016 befasst und möchte es an dieser Stelle nicht mehr tun.

Ich habe es schon häufig erwähnt und werde nicht müde es zu wiederholen: Für mich ist Geocaching ein familienfreundliches Outdoorhobby. Bescheißt sich jemand 1000 Funde an einem Wochenende ins Geocaching-Profil tut es mir nicht weh, mir wird nichts weggenommen und wenn niemand darüber auf Facebook oder Twitter schreiben würde, würde ich es nicht einmal bemerken  :zwinkern2:  Ich gehe dann geocachen wenn ich Lust und Zeit habe. Mir ist es egal ob „mein Gegenüber“ 1 Fund hat oder 100.000 – (un)sympathisch macht sich die Person durch sich selbst und nicht durch die Anzahl der Funde. 

Auch macht das T5en erst dann so richtig Spaß, wenn alle Team-Mitglieder gleichzeitig loggen können, was leider nur sehr selten möglich ist. Wobei ich bei beiden Bildern sagen musste „Trage mich bitte mit ein“, denn ich war zu weit vom Logbuch weg :totlachen2:  

Kreativlogger  Kreativlogger

 

 

Weihnachtsgeschenk – nur gültig von jetzt bis irgendwann

Wer zu Weihnachten noch Statistik-/Matrix-Punkte benötigt darf gerne meine Geocaches online loggen. Einzige Voraussetzung: Es sollten zumindest 3 sinnbehaftete Wörter im Log enthalten sein und bitte nicht so.

Stimmen aus dem Netz zum FB-Beitrag Kreativlogger

In diesem Zusammenhang möchte ich einige Stimmen aus dem Netz (Facebook und Twitter) zitieren die mir besonders gut gefallen; auch wenn der eine oder andere Beitrag „etwas überspitzt“ ist:

“ […] „mafia-ähnliche strukturen“? „alle details aufgezeichnet“? „sorgt in der geocacher szene für aufregung“??? ihr wisst schon noch, dass ihr bei einem outdoorfamilienhobby unterwegs seid und nicht in nem krieg oder ner kriminalpolizeilichen ermittlung? […]“

 

“  […] Ich freue mich auf schöne Dosen, interessante Listings und Orte, die es wert sind zu besuchen und den Spaß zu klettern. Statistik? Naja, ab und zu schaue ich drauf, wenn es um eine Challenge geht. Wer an der Weltrangliste ganz oben steht? Was interessiert es mich, sind eh meistens Amis, die zu dritt mit dem Pickup Powertrails abfahren. Sicher einmal der Spaß wert, aber ich freue mich lieber selber raus zu kommen. Von daher, wenn die für sich daraus etwas gewinnen, sollen sie doch zandern, mich B beschei… sie nicht. Wenn ich mir jetzt auch noch Gedanken machen müsste, wer meine Mysteries nicht gelöst hat oder den Multi direkt anläuft – dann würde ich meine wertvolle Lebenszeit verschwenden. Wenn auch nur ein einziger an meinem Cache Spaß hatte, hat es sich für mich gelohnt. Also, durchatmen und nicht immer alles so verbissen sehen.“

 

“ Wenn man sich einfach nur im seine Statistik kümmert und nicht um die anderer Cacher, lebt sich’s wesentlich entspannter. Was interessierts mich denn, ob jemand mehr Funde als ich hat?“

 

„[…] soll jeder machen, mir ist es Scheißegal. Mir nimmt keine was, ich hab keinen Nachteil“

 

noch ein Geoblog hat sich bereits 2015 mit diesem Thema beschäftigt. Zu finden unter https://blog.nordic-style.de/der-t5-kodex-in-theorie-und-praxis

 

Kreativlogger 

 

 

5 Replies to “Kreativlogger, Schummler oder Geocaching-Alltag”

  1. Soll sich doch jeder der es nötig hat selbst bescheißen.
    Ich besuche wirklich JEDEN Cache den ich logge selbst und habe riesigen Spaß dabei!
    Über diese armen Statistik-Schummler kann ich nur grinsen….

  2. Hallo erstmal und allen ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
    Nun mein Senf dazu: ich verstehe die Aufregung nicht. Ich habe durch Geocaching tolle Orte und einige faszinierende Menschen kennengelernt. Dafür danke ich.
    Wer auf seine Art loggt, ohne den Cache zu suchen/ finden, tut es eben. Mir egal.
    Da möchte ich einfach Friedrich II. zitieren:
    „Es soll ein jeder nach seiner Fasson selig (glücklich) werden…“
    Happy hunting

  3. Im Grunde machen wir das Hobby weil es Spaß macht. Und wenn 1000 Loggen ohne sich ins Buch einzutragen oder nie dort waren. Dann macht der Cache für mich genauso Spaß. Also ist es mir egal. Die wo das tun betrügen sich selbst, denn sie hatten keinen Spaß beim suchen.
    Es ist doch egal ob ich 5000 gefunden habe oder nur 500. Wenn du 1. richtig guten machst (zB. Ulms dunkles Geheimsis) dann macht das mehr Spaß als 100 St. die am Wegrand fast offen daliegen.
    Gruß Freischneider

    Der Weg ist das Ziel

  4. Projekt GC müsste nur gewisse Geocacher-Namen in seinen TOP-Listen nicht mehr führen/auflisten und schon wäre der Unfug mit Trails unter Sockenpuppen-Accounts mit BETATESTS der „gewissen Geoacher-Namen“ beendet.

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