Giftige Pflanzen mit denen du in Deutschland rechnen musst

Es gibt einige giftige Pflanzen in unseren Breitengraden bei denen es nicht falsch ist zu wissen wie sie aussehen. Besonders da es einige giftige Pflanzen gibt, die sehr leicht mit schmackhaften Kräutern verwechselt werden können, hübsch aussehen oder einfach nur als Unkraut wahrgenommen werden. Meine Pfadfinderzeit liegt bereits ein paar Tage zurück und da ich gerade noch einen Löwenzahn von einem Gänseblümchen unterscheiden kann sammle ich keine Wildkräuter. Allerdings treffen wir im Wald und auf Wiesen immer mal wieder auf mehr oder weniger giftige Pflanzen.

Dies zum Anlass nehmend habe ich mich ausgiebig mit Tante Google unterhalten und war sehr erstaunt was in unseren Wäldern, Wiesen und Städten wächst und gedeiht. Ich möchte jetzt nicht zurück bis zur Brennnessel gehen die wohl jeder sofort erkennt und wenn nicht… die nächste Brennnessel erkennst du bestimmt wenn du sie berührst. Auch auf Tollkirsche, Eibe, Engelstrompete oder Hortensie (wird als billiger Marihuana-Ersatz geraucht; allerdings enthalten Hortensien hochgiftige Blausäureverbindungen und sollten besser im Garten oder auf dem Balkon bleiben) möchte ich nicht eingehen. Diese Pflanzen sind zwar sehr giftig, der Mensch muss sie aber essen; eine (unbewusste) Berührung bleibt ohne Folgen.

Interessant sind speziell Riesenbärenklau, Jakobskreuzkraut, Beifuß-Ambrosia, Herbstzeitlose und Blauer Eisenhut.

 

 

Riesenbärenklau

giftige Pflanzen * Riesenbärenklau giftige Pflanzen * Bärenklau

Der Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) ist aus dem Kaukasus nach Deutschland gekommen. Gefährlich an der Pflanze sind ihre Furanocumarine, welche die Abwehrstoffe der Pflanze und somit ihr natürlicher Schutz sind.

Die eigentliche Berührung mit der Pflanze ist noch nicht problematisch. Bei der Berührung gelangen jedoch Furanocumarine von Blüte, Stängel oder Wurzel auf die Haut und diese reagieren mit dem Sonnenlicht (auch noch mehrere Tage nach der Berührung möglich). Es entstehen Reizungen auf der Haut die sogar Verbrennungen 2.Grades verursachen können (Photodermatitis). Auch Fieber und/oder Kreislaufschock sind möglich. Wer sich an heißen Tagen „längere Zeit“ in der Nähe des Riesenbärenklaus aufhält kann die Furanocumarine einatmen. Hierbei ist von Atemnot bis zur akuten Bronchitis alles möglich.

Besonders für Kinder ist der Riesenbärenklau gefährlich wenn sie die Stängel als Schwert oder Blasrohr verwenden.

Kleinere Bärenklau-Arten wie der Wiesen-Bärenklau oder Berg-Bärenklau sind häufig an Wegrändern und begrünten Verkehrsinseln anzutreffen. Bei Berührung können sie ebenfalls eine Photodermatitis auslösen. Die Giftigkeit der „Kleinen“ ist jedoch deutlich geringer als beim Riesenbärenklau.

Bei der Recherche habe ich entdeckt, dass ich in meinem Garten den Wiesen-Bärenklau habe und ihn bisher per Hand ausriss. Ich hatte wohl Glück, denn der junge Wiesen-Bärenklau soll ungiftig sein und die jungen Stängel als Wildgemüse gekocht, geschält als Kompott oder gar roh gegessen werden können. Bevor du das jedoch machst, solltest du dich nochmals genauer mit der Thematik befassen. Allerdings könnte es sich in meinem Garten auch um eine völlig unspektakuläre Hundspetersilie handeln.

Hier ein kleines Video des Selbstversuches eines Tierarztes zur Photodermatitis: zum Video

 

Jakobskreuzkraut

Jakobskraut - Greiskraut Jakobskraut-Greiskraut

Jakobskreuzkraut (auch Greiskraut genannt) wächst bei uns überwiegend an Feldrändern, Wiesen und nicht genutzten Rasen- und Ackerflächen. Alle Teile der Pflanze sind durch ihre Pyrrolizidinalkaloide (Alkaloid das die Pflanze vor dem Biss von Mensch und Tier schützen soll) leberschädigend. In der Blüte befindet sich bis zu 2x mehr leberschädigendes Gift als im Kraut. Diese Alkaloide bleiben auch wirksam wenn die Pflanze vertrocknet (z.B. im Heu). Als Heu verliert das Jakobskreuzkraut den bitteren Geschmack und wird vom Vieh gefressen. Speziell bei Pferden und Rindern wird die Leber über Jahre hinweg dauerhaft geschädigt und kann zum Tod führen. Pyrrolizidine werden nicht abgebaut sondern reichern sich an. Demzufolge gelangen sie über heufressende Tiere, Milch, Tee und Honig auch in den menschlichen Nahrungskreislauf. Wer die Pflanze berührt sollte sich sofort die Hände waschen, damit dass das Gift nicht über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt.

 

Beifuß-Ambrosia

Beifuß-Ambrosie Beifuß-Ambrosia

Beifuß-Ambrosia (auch Ambrosia, Beifuß-Ambrosie oder Traubenkraut genannt) wurde aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt und wächst gerne an Straßenrändern, Bahndämmen, Kiesgruben, Erddeponien, Schutthalden und in heimischen Gärten unter Vogelfutterplätzen. Da sich die giftige Pflanze ausschließlich über Samen verbreitet soll eine Pflanze bis zu 1 Milliarde Pollen produzieren können. Bereits in geringer Konzentration können Ambrosia-Pollen in der Luft heftigste allergische Reaktionen auslösen, die von kurzfristiger Atemnot bis zu allergischem Asthma führen können. Es heisst, es würden bereits 6 Pollen pro Kubikmeter Luft ausreichen um eine allergische Reaktion auszulösen. Von einer starken Belastung wird dann gesprochen wenn sich 11 Pollen in einem Kubikmeter Luft befinden. Im Vergleich dazu benötigt es 50 Gräserpollen pro Kubikmeter Luft um von einer starken Belastung zu sprechen. Jetzt im Juli beginnt die Blütezeit und dauert bis Oktober an.

Ambrosia kann leicht mit anderen Pflanzenarten verwechselt werden. In der Keimphase gleicht sie einigen Kamille-Arten und auch später gibt es Verwechslungsmöglichkeiten mit dem Gemeinen Beifuß. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat ein schönes Poster online gestellt in dem die Merkmale aufgezeigt werden: giftige Pflanzen - Ambrosia-Poster zum LfL-Poster (pdf)

Siehst du Beifuss-Ambrosien, dann reiße sie nicht heraus denn so streuen sie noch mehr Pollen. Setze dich mit deiner Stadt-/Gemeindeverwaltung in Verbindung damit sie fachgerecht in Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske „beseitigt“ werden können.

 

Herbstzeitlose

Herbstzeitlose

Im Jahr 2010 wurde die Herbstzeitlose zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Sie kommt bei uns auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen und Böschungen vor. Zwar erkennt man eine Herbstzeitlose sofort an der Blüte, nicht jedoch an ihren Blättern. Daher werden diese giftige Pflanzen gerne mit Bärlauch verwechselt. Diese Verwechslung kann jedoch tödlich enden. Erste Vergiftungserscheinungen treten erst nach 2 – 6h auf; Übelkeit, Erbrechen, blutiger Durchfall, Atemlähmung bis hin zum Kreislaufversagen. Wie beim Jakobskreuzkraut enthalten alle Teile der Pflanze giftige Alkaloide welche die Pflanze schützen sollen; hauptsächlich Colchicin. Colchicin ist ein Mitosegift das Zellen (Erbgut) verändert und Ähnlichkeiten mit Arsen aufweist. Auch diese Alkaloide sterben nicht wenn die Pflanze vertrocknet. Dadurch kann das Colchicin über das Heu ins Tier(fleisch) und die Milch gelangen. Wer die Pflanze berührt sollte sich sofort die Hände waschen, damit dass das Gift nicht über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt.

 

Blauer Eisenhut / Lupine

Blauer Eisenhut Giftige Pflanzen * Blauer Eisenhut

Ziegentod wie der Blaue Eisenhut auch genannt wird hat seinen Namen nicht von ungefähr. Sie ist die giftigste Pflanze die in unseren Breitengraden auf feuchten, nährstoffreichen Böden wie Bachufern und feuchten Wiesen wächst. Es ist die ganze Pflanze die sehr giftig ist. Bereits eine Berührung reicht aus damit die betroffene Körperstelle taub wird. Wird die Pflanze oder deren Wurzel (versehentlich) gegessen ist von Übelkeit über Herzrhythmusstörungen bis hin zum Erstickungstod alles möglich. Verantwortlich hierfür sind Alkaloide (Aconitin, Picroaconitin, Mesaconitin, Hypaconitin) und Alkamine (Aconin, Napellin, Neopellin, Neolin). Beim Blauen Eisenhut ist die Wurzel besonders giftig. 0,2 Gramm rufen Vergiftungserscheinungen hervor und 2 g sind tödlich. Wer diese giftige Pflanzen berührt sollte sich sofort die Hände waschen, damit dass das Gift nicht über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt.

Nachtrag 08.07.2021
Über Twitter erhielt ich die Information, dass es sich beim 1.Bild „meines“ Blauen Eisenhuts um eine Lupine handeln würde. Dies nehme ich zum Anlass aufzuzeigen, dass die Unterscheidung der einzelnen Pflanzen für einen Laien – auch wenn er sich für einen Blogbeitrag etwas in die Materie einliest – sehr schwierig sein kann. Nichtsdestotrotz lasse ich dieses Bild stehen, denn auch die Lupine ist giftig. Die Lupine wird auch Wolfsbohne genannt und der Blaue Eisenhut Wolfskraut – die Verwandtschaft ist somit auch namentlich gegeben. Lediglich die Samen der Süßlupine können wie Soja zB zu Mehl, Kaffee, etc. verarbeitet werden und sind daher eine gute Alternative für Zöliakie-Patienten. Allerdings können sie trotz allem „problematisch“ für Pollen-Allergiker sein. Die Samen der Urform der oben gezeigten Vielblättrigen Lupine besitzen einen Chinolizidin-Alkaloidegehalt (Lupinin) von 5%; heutige Nachzuchten der Süßlupine haben meist nur noch einen Chinolizidin-Alkaloidegehalt von 0,02 – 0,05% und gelten als eher ungiftig.

Aber auch hier gilt: Keine Angst und Augen auf. Auf unseren Wiesen werden Lupinen als Gründünger angepflanzt und können für 1€/Stück selbst geschnitten und mit nach Hause genommen werden; das mache ich ab und zu und wir leben alle noch :wink: .

 

Giftige Pflanzen – mein Fazit

Lass dich bitte nicht verrückt machen! Solange du Bäume nur umarmst, deinen Namen tanzt, keine unbekannten Pflanzen küsst und dir vor dem Nasebohren die Hände wäschst können dir die „Bösen Pflanzen“ nicht viel anhaben. Allerdings sollte man bei zweien dieser Exemplare besonders auf der Hut sein: Riesenbärenklau und Beifuß-Ambrosie verstehen keinen Spass in deren Umgang da sie nicht nur bei Berührung sondern auch beim Einatmen gefährlich werden können.

 
 
 
 

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