Über den (Un?)Sinn von Souvenirs beim Geocaching

Die aktuelle Geocaching-Souvenir-Aktion Planetary Pursuit schlägt in einigen Foren hohe Wellen. Es wird sogar vom verlassen des seriösen Geocachings gepostet. Ich denke man sollte die Kirche im Dorf lassen und sich erstmal mit der Souvenir-Thematik auseinander setzen.

Was ist ein Souvenir?

Ein Souvenir ist wörtlich übersetzt eine Erinnerung. Die Erinnerung kann eine Postkarte sein, eine Flasche gefüllt mit Sand, ein Bild eines (mir) wichtigen Menschen, eine Coin, Urlaubsmitbringsel, etc.

Souvenirs beim GeocachingEs bedeutet einfach nur, wenn ich das Souvenir anschaue, erinnere ich mich wofür es steht.

Braucht es beim Geocaching Souvenirs?

In erster Linie sagen die „Hardliner“, Souvenirs haben beim Geocaching nichts verloren. Das finden der Dose sollte im Mittelpunkt stehen. Ich möchte viel weiter ausholen, denn es ist bei uns tief verwurzelt für besondere Leistungen etwas zurück zu bekommen, das einen (und andere  :wink: ) an diese Leistung erinnert.

Bereits vor dem Kindergarten können Kinder das Seepferdchenabzeichen erhalten, wenn sie die Aufgaben schaffen. Mama oder Papa näht es dann auch sofort ganz stolz an die Lieblingsbadehose. Später kommt der Freischwimmer dazu und wenn das Kind Interesse hat, das Jugendschwimmabzeichen in Silber und Gold.

Bei den Bundesjugendspielen in der Schule gibt es für eine bestimmte Anzahl an Gesamtpunkten eine Sieger- oder Ehrenurkunde. Hat das Kind Spass an der Leichtathletik können die verschiedenen Jugendsportabzeichen in Bronze, Silber und Gold gemacht werden.

Bei den Pfadfindern gibt es ebenfalls Abzeichen für diverse Fähigkeiten (Erste Hilfe, Radfahren, Sterne, Bäume, etc.) die für alle ersichtlich auf das Hemd / Bluse genäht werden.

Selbst bei Erwachsenen sind Abzeichen / Anerkennungen gerne gesehen, wie z.B. Harzer Wandernadel, Deutsches Wanderabzeichen, Deutsches Sportabzeichen, Reitabzeichen, Militärabzeichen, etc.

Bei Sportarten wie Fußball und Volleyball werden ab und zu Vereinswimpel ausgetauscht und im Vereinsheim gesammelt. Bei Vereinstänzern kann Bronze, Silber und Gold ertanzt werden. Ich habe zB das Deutsche Rock’N’Roll – Tanzabzeichen in Gold   :wink:
Souvenirs beim Geocaching

Auf diversen Internet-Plattformen gibt es Badges oder Pokale bei Schritte-Challenges, in Bewertungssystemen, beim online stellen von Wandertouren, etc. Da man diese aber nur sehr selten anschaut und noch seltener darüber gesprochen wird, fallen diese „Abzeichen“ nicht auf.

 

Fazit

Groundspeak kann sich den Abzeichen-Wahn nicht entziehen und kann die Souvenirs auch nicht mehr in Badges o.ä. umbenennen. Der Name Souvenir kommt bei Geocaching daher, dass man eine virtuelle Postkarte erhält wenn man in einem (Bundes)Land einen Geocache findet in dem man zuvor noch nicht gecacht hat – und online loggt. Da nun aber aus Marketing-Gründen immer mehr Souvenirs auftauchen, geht es mir mittlerweile auch so: Nicht schon wieder  :wacko:

Ein großer Teil der Geocacher liebt jedoch die Souvenirs, wie die letzten Aktionen gezeigt haben. Daher ist es verständlich, dass GS auf Geocaching immer wieder Anreize schafft um die Geocacher bei Laune zu halten, zum Suchen nach Geocaches ermuntert und dadurch die Zugriffe auf der geocaching.com-Seite zu steigern versucht; das geht wohl am einfachsten über Souvenirs. Das beinhaltet dann auch dusselige einfache Souvenirs wie First Cache of 2018 am 01.01.2018, aber auch schöne Erinnerungen wie Where in the world is Signal? am Dönerstag 2017.

Am Samstag hatten wir auf dem Hallia-Event eine spannende Diskussion zum Thema Geocacher untereinander und die Quintessenz war: Geocaching ist schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dadurch bildet Geocaching aber auch die ganze Gesellschaft ab; mit all den zwischen-menschlichen Problemen mit der unsere heutige Gesellschaft zu kämpfen hat:

  • Arm vs Reich
  • Jung vs Alt
  • Schnell vs Langsam
  • Ehrlich vs Unehrlich
  • Freundlich vs Idiotisch
  • Anerkennung-Heischend vs Für-Sich-Alleine-Bleibend
  • Handy-Cacher vs GPSr-Cacher
  • Log-Stempler vs Log-Kleber vs Log-Schreiber
  • T5 vs Biltema
  • Statistik-Cacher vs Genuß-Cacher
  • Souvenir-Liebhaber vs Souvenir-Hasser

Die verschiedenen Konfliktherde kennt jeder zur Genüge. Wichtig ist aber doch was jeder Einzelne daraus macht. Für die Souvenir-Liebhaber freut es mich, dass es im nächsten Monat wieder 10 neue Souvenirs gibt. Für die Souvenir-Hasser habe ich denn Tipp: Arrangiert euch mit der Souvenir-Flut, sie wird eher noch zunehmen. Ausserdem aktiviert die Freundesliga nicht, so bekommt ihr auf Garantie kein einziges Souvenir das ihr nicht haben wollt  :good:

Ich brauche die Geocaching-Souvenirs auch nicht und habe sie daher in meinem GC-Profil ausgeblendet. Ich gehe geocachen weil es mir Spass macht und wenn ich mal ein Souvenir erhalte, dann ist es so. Das Souvenir kostet mich nichts und beißt mich nicht – also darf es sich in meinem Profil einnisten.

Es hat nichts mit Werteverfall, Verlust irgendwelcher Seriositäten, Punktegeilheit oder was auch immer zu tun; es ist schlicht unsere aktuelle Zeit. Ihr kennt die Bilder: mancher Wanderstab ist von oben bis unten mit Wanderplaketen gespickt und auf manche Pfadfinder-Schärpe passt kein neues Abzeichen mehr – dann dürfen wir doch auch den Geocaching-Server-Platz ausnützen und die Souvenirs hinein ballern lassen. Wem es nicht gefällt muß sich 1x die Arbeit machen und „Hide this“ klicken.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen relaxten Abend  :bye:

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7 Kommentare zu Über den (Un?)Sinn von Souvenirs beim Geocaching

  1. boz70 sagt:

    zum Thema Statistik-Cacher vs Genuß-Cacher möchte ich anmerken, dass sich das meiner Meinung nach nicht ausschließt. Wer sich mein Profil ansieht, wird fast zwangsläufig denken: ah, statistikgeil. Soll er meinetwegen. In der Tat achte ich darauf, z.B. irgendwelche potentiellen oder realen Challengebedingungen zu erfüllen bzw. an deren Erfüllung zu arbeiten, wenn es sich anbietet. Das bringt es zwangläufig mit sich, dass man auch jede Menge Caches macht, die nicht unbedingt existieren müssten.
    Aber: was sind denn die Caches, an die man sich auch noch nach Jahren gut und v.a. gern erinnert? LPs, schöne Wanderungen, tolle Gegend, interessante Rätsel, … Das ist für mich Genusscachen und bei aller Statistik ist es DAS was GC ausmacht. Das kann ich ebenso genießen, völlig egal ob mir das gerade mal einen lumpigen Fund bringt oder die Statistik boostet.

  2. Danke für den schönen Beitrag! Ich finde, dass Souvenirs eine schöne Auszeichnung von Groundspeak sind. Ich selber suche, wenn ich nahe an einer Landesgrenze bin, Caches aus, um das dortige Souvenir zu erhalten. Und wie du es so schön geschrieben hast: „Wem es nicht gefällt muß […] „Hide this“ klicken.“

    Viele Grüße vom Dosendetektiv!

  3. Leistungsabzeichen (Merit Badges) sind bei deutschen Pfadfindern unüblich. Hier gibt es nahezu ausschließlich Zugehörigkeits-Badges (Bund, Stamm, Sippe) und Teilnahme-Badges (Lager, Fahrten usw.). Von den Teilnahme-Badges trägt man üblicherweise nur die von der letzten Veranstaltung auf dem Hemd.

    • Ich kenne es aus meiner Pfadfinderzeit die nun doch schon ein paar Tage in der Vergangenheit liegt. „Damals“ gab es einige Leistungsabzeichen die unsere Hemd-Ärmel zierten, zB für den Nachweis der Teilnahme an einem Erste Hilfe Kurs, Baumkunde, Sternkunde, etc. Soviel ich noch weiß hatten nur die Royal Rangers sehr wenige Leistungsabzeichen. Aber mein Wissen ist auch schon 20 Jahre veraltet ;) Danke für die Info.

      • radioscout sagt:

        Das wird unterschiedlich gehandhabt: die einen halten sich an die Kluftordnung, die anderen laufen rum wie eine Litfaßsäule.
        Die Royal Rangers gehören übrigens zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.

      • Informationsdienst sagt:

        Die Royal Rangers haben weniger mit der Kirche zu tun, als viel mehr mit Rassismus – die Kinder der unwissenden Eltern können einem nur Leid tun…

        • Ich weiß dass jeglichen Pfadfinderorganisationen Rassismus vorgeworfen wird. Aber nur weil Kinder eine Kluft tragen bedeutet es nicht, dass dort auch Rassismus ein Thema ist.

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